Das Märchen vom digitalen Exhibitionismus

studiVZ: Privatsphäre-Einstellungen

Screenshot: studiVZ (17.03.2009, 12:00)

Eine Bekannte fragte mich neulich: „Wieso stellst du eigentlich alles, was du tust, ins Internet?“ Sie bezog sich dabei auf meine Status-Mitteilungen bei Facebook, die in meinem Fall nichts anderes sind, als meine Nachrichten bei Twitter, die automatisch an Facebook übermittelt werden. Das wollte ich genauer wissen: Habe ich einen exhibitionistischen Drang, von dem ich nichts weiß? Twitter ich wirklich alles, was ich tue? Und wie sieht es mit meinen Profilen in den sozialen Netzwerken aus, die ich nutze? Gebe ich da Sachen von mir preis, die niemanden etwas angehen?

Ich habe mich also mal durch meine letzten Twitter-Nachrichten, meine Profile und diverse Privatsphäre-Einstellungen geklickt und bin zu dem Schluss gekommen: Eigentlich könnte ich noch viel mehr von mir preisgeben.

Soziale Netzwerke sind sehr gut dazu geeignet, um Kontakte zu pflegen und auch um diesen Kontakten sinnvolle Informationen über sich selbst zu geben. Und ich bin der festen Überzeugung, dass sich mit der richtigen Einstellung und den richtigen Einstellungen (war das jetzt verständlich?) das Preisgeben persönlicher Daten und die Privatsphäre sehr wohl miteinander vereinbaren lassen.

1. Twitter

Zuerst habe ich mir mal meine letzten Tweets angeschaut. Hier eine kleine Zusammenstellung aus den vergangenen Tagen/Wochen, die – meiner Meinung nach – mein typisches Twitter-Verhalten widerspiegelt: Banalitäten, spontane Gedanken, Linktipps und ab und zu auch tatsächlich die direkte oder indirekte Beantwortung der Frage „What are you doing?“, um die es bei Twitter ja strenggenommen geht.

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Dann wollen wir doch mal zusammenfassen, welche Informationen sich aus diesen Nachrichten ableiten lassen: Ich mag Sonne. Ich habe einen Laptop, dessen FireWire-Schnittstelle mir Stromstöße verpasst. Ich bin in irgendein Seminar an der Uni reingekommen. Irgendwelche Bürokraten brauchen von mir Studienbescheinigungen. Ich war mal vor meinem Wecker wach, was mich ziemlich genervt hat. Ich reagiere allergisch auf Pollen. Ich habe eine Schwester, die am 11. März Geburtstag hat. Ich schauen Zapp. Ich bin seit kurzem selbstständig. Ich besitze keine Spülmaschine. Dafür besitze ich das Computerspiel „GTA San Andreas“, das ich aber offenbar seit zwei Jahren nicht mehr gespielt habe. Ich schaue ab und zu auch mal Beckmann und anscheinend ist mir auch Switch Reloaded ein Begriff.

Auf den ersten Blick ist das ja gar nicht so wenig. Aber mal ehrlich: Da war jetzt keine einzige brisante Information dabei, durch deren Veröffentlichung ich mich in meiner Privatsphäre eingeschränkt fühle. All das würde ich auch einer gerade erst kennengelernten Person erzählen, würde sie mich danach fragen.

(Wobei die Vorstellung, mich würde jemand in unserem ersten Gespräch fragen, ob ich eine Spülmaschine besäße, zugegebenermaßen etwas komisch ist.)

Zum Glück twittere ich NICHT „alles, was ich tue“, was meine Bekannte ja schon befürchtet hatte. Twittert man mit gesundem Menschenverstand, sollte es kein Problem sein, einerseits seinen Kontakten einen kleinen, persönlichen Einblick ins eigene Leben zu geben (die Relevanz dieser Informationen sei mal dahin gestellt), ohne dabei andererseits ungewollt Außendstehenden Informationen zugänglich zu machen, die nicht für sie bestimmt sind. Man muss sich darüber im Klaren sein, welche Informationen ins weltweit zugängliche Internet gehören und welche nicht.

(Auf die Twitter-Funktion, seine Nachrichten zu schützen, gehe ich an dieser Stelle nicht ein, weil ich nicht sonderlich viel von ihr halte.)

2. Öffentliches Profil in sozialen Netzwerken

Während das, was ich in Twitter (oder auch in diesem Blog) schreibe, wirklich jedem zugänglich ist, gibt es bei sozialen Netzwerken wie studiVZ, Facebook oder Wer kennt wen zwei Einschränkungen: 1. Grundsätzlich können nur Leute mein Profil sehen, die auch in diesem Netzwerk unterwegs sind. Weil eine Anmeldung aber natürlich keine echte Hürde ist, um an meine Daten zu kommen, gibt es neben diesem öffentlichen auch noch 2. ein privates Profil, das nur meine Kontakte sehen können.

Meine persönliche Angaben bei Facebook

Die erste Einschränkung ist, wie gesagt, eigentlich keine. Was in meinem öffentlichen Profil steht, ist auch JEDEM zugänglich. Welche Informationen man der Welt mitteilen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich habe kein Problem damit, etwa meinen Musik- und Filmgeschmack anderen mitzuteilen. Das sind klassische Smalltalk-Themen, die ich jeder Person wahrscheinlich sowieso nach zwei Minuten verraten hätte. Gleiches gilt für die Stadt, in der ich wohne, die Fächer, die ich studiere oder mein Alter. Wer mich fragt, erfährt das. Wer mich in studiVZ & Co. sucht, erfährt das eben auch. So what?!

(Als Denkanstoß in eine ganz andere Richtung, gibt’s an dieser Stelle noch vier Links, die deutlich machen, wie Informationen aus sozialen Netzwerken auch missbraucht werden können: 1, 2, 3, 4. Ein abschäuliches Vorgehen, auf das ich einmal an anderer Stelle eingehen werde. Heute würde das etwas den Rahmen sprengen.)

3. Privates Profil in sozialen Netzwerken

Nach langer Überlegung habe ich beschlossen, meine Telefonnumer in meinen privaten Profilen bei studiVZ und Facebook zu veröffentlichen. Meine Kontakte, die ja als Einzige mein privates Profil angezeigt bekommen, haben die Nummer in den meisten Fällen sowieso schon und aus eigener Erfahrung kenne ich nur zu gut Situationen, in denen ich vergeblich nach Zetteln suche, auf denen ich mir irgendwelche Nummern notiert habe und in meiner letzten Hoffnung schaue, ob mein Gesprächspartner seine Nummer im Internet hinterlegt hat. Also wieso nicht meine Telefonnummer meinen Kontakten zugänglich machen? Strenggenommen war die Nummer sowieso schon die ganze Zeit öffentlich, genauso wie meine Adresse. Zwar stehe ich nicht im Telefonbuch, doch zwingt mich der Gesetzgeber dazu, solche Angaben im Impressum meines Blogs zu veröffentlichen. Wer meine Telefonnummer und Adresse haben will, findet sie. Privatsphäre? Drauf geschissen!

Und soll ich meine Adresse dann auch gleich mit in meine privaten Profile stellen? Das ging mir dann doch zu weit, auch wenn ich dafür keine rationale Erklärung habe.

Grundsätzlich finde ich, dass in ein privates Profil nicht viel mehr Informationen gehören, als in ein öffentliches. Denn was in sozialen Netzwerken so alles als „Freundschaft“ definiert wird, entspricht zugegebenermaßen nicht so ganz den realen Beziehungen. Sinnvolle Zusatzangaben wären – wie schon angedeutet – Kontaktmöglichkeiten, Fotos und Ähnliches. Auch im privaten Profil sollte man sehr genau darauf achten, was man veröffentlicht. Oder wie gut kennst du deine 300 „Freunde“?

So ’ne Art Fazit in zwei Sätzen:

Wer im Internet persönliche Informationen preisgibt, braucht keine Angst um seine Privatsphäre haben, solange man diese Informationen mit gesundem Menschenverstand auswählt und mit den geeigneten Datenschutz-Einstellungen schützt. Also: Hirn an im Internet.

  

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