Flattr: Jetzt mach‘ ich die ganz dicke Kohle!

Foto: Joe Shlabotnik (cc)
Heute in einem Monat: „Es tut mir Leid, ich kann keine Einzahlungen mehr entgegen nehmen, Ihr Bankkonto ist voll.“ Dieses Flattr ist ein Fluch. Seitdem ich den kleinen orange-grünen Button unter meine Blog-Artikel eingebunden habe, werfen mir die Leute ihr Geld nur so hinterher. Und egal, was ich tue, ich komme mit dem Ausgeben einfach nicht nach.
Der geübte Leser hat es vielleicht erkannt: Das war Ironie. Die neue Social-Micropayment-Plattform Flattr wird es Bloggern & Co. natürlich nicht ermöglichen, von ihren Online-Publikationen leben zu können. Aber das ist zum Glück auch gar nicht ihr Ziel. Flattr will Inhalte-Anbieter und Endnutzer zusammenführen und ermöglicht es den Endnutzern, sich beim Anbieter für interessante Inhalte zu bedanken. Mit Kleinstbeträgen, die in der Summe möglicherweise einen nennenswerten Betrag ausmachen, zu dem der Anbieter ohne Flattr nie gekommen wäre.
Das Problem, vor dem Flattr jetzt steht, wird schnell deutlich: Nur wenn viele die Plattform nutzen, wird sie funktionieren. Marcel Weiss beschreibt in seinem Blog neunetz.com ein Henne-Ei-Problem: Flattr wird sowohl für Inhalte-Anbieter (Gruppe A), als auch für die Endnutzer (Gruppe B) erst dann attraktiv, wenn auch die jeweils andere Gruppe Flattr nutzt.
Der Nutzen des Systems für Gruppe A entsteht nur, wenn Gruppe B an Bord ist. Das Gleiche gilt umgekehrt für Gruppe B [...]. In diesem Fall wartet jede der Seiten darauf, dass die andere Seite die Plattform annimmt.
Besonders schwierig wird es meines Erachtens, die reinen Endnutzer auf die Plattform zu bekommen. Denn selbst bei einem breiten Angebot flattrbarer Inhalte geht es ja immer noch darum, freiwillig Geld für etwas zu bezahlen, das man auch kostenlos hätte haben können. Es gibt günstigere Möglichkeiten, im Web 2.0 sein Interesse für Online-Inhalte auszudrücken: Retweets, die Kommentar-Funktion, Facebooks Like-Button.
Auf Flattr werden daher zunächst einmal vor allem diejenigen Geld ausgeben, die es auch einnehmen. Und das auch nur deshalb, weil sie es müssen: Nur wer andere Inhalte flattrt, kann selbst geflattrt werden. So läuft die Plattform Gefahr, ihren Sinn zu verlieren, wenn sich dort ausschließlich Inhalte-Anbieter tummeln, die sich gegenseitig das Geld hin- und herschieben.
Und trotzdem nutze ich seit heute Flattr. Aus zwei Gründen: Erstens hoffe ich, dass sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten, sondern Flattr künftig von einer breiten Masse genutzt wird – auch von reinen Endnutzern. Und zweitens soll der Flattr-Button in meinem Blog auch eine Motivation für mich selbst sein, endlich mal wieder öfter zu bloggen. Vielleicht wird das eine oder das andere Ziel ja erreicht. Und vielleicht kommt das dann beim ein oder anderen Flattr-Nutzer gut an.
Willkommen,
Trackbacks & Pingbacks
2 Kommentare
Philipp schrieb:
Flatter funktioniert schon deshalb nicht, weil man PayPal braucht. Das hat der Durchschnittsuser ja nicht unbedingt.
Und: Was habe ich davon?
Wenn ich einen Blogger mag, kann ich ihm doch direkt ohne Probleme schon Kohle spenden/schenken.
So wie ich das bei Jens Weinreich, dem Bildblog oder anderen auch schon getan habe.
Marcel schrieb:
Dass das notwendige PayPal-Konto für viele „normale“ Nutzer eine echte Einstiegshürde darstellt, befürchte ich auch. Es würde Flattr gut tun, auch andere Zahlungsmöglichkeiten anzubieten.
Ich glaube aber schon, dass der Flattr-Button erfolgreicher sein könnte, als der alte PayPal-Spenden-Button, denn nun braucht es tatsächlich nur noch einen einzigen Klick, um zu sagen, „das gefällt mir so sehr, dass ich gerne bereit bin, ein paar Groschen da zu lassen.“
Kommentar schreiben