Mit dem Dritten hört man besser

Foto: DRadio Wissen, Norman Wollmacher

Als „junge Leute mit Anspruch“ habe ich kürzlich die Zielgruppe von Medienrezipienten bezeichnet, in der ich mich meine, zu befinden. Eine Zielgruppe, die bislang von TV und Radio vernachlässigt wurde. Bislang. Seit zweieinhalb Monaten bietet das ZDF mit seinem digitalen Spartenkanal ZDFneo ein Programm an, das ich zwar wegen des Empfangs via DVB-T leider erst ab 21 Uhr zu sehen bekomme (ja, ich kenne Zattoo), das aber dem schon sehr nahe kommt, was ich unter gut gemachtem, anspruchsvollem, informativem, unterhaltsamem Fernsehen verstehe. Seit heute Morgen gibt es das quasi-Äquivalent im Hörfunk: Das öffentlich-rechtliche Deutschlandradio hat Nachwuchs bekommen. Neben seinen beiden Wellen Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur bietet es nun sein drittes Programm DRadio Wissen an. Zu empfangen ausschließlich über DAB und das Internet. Der erste Eindruck: Es lohnt sich, das UKW-Gedudel mal kurz beiseite zu legen.

Die letzten Minuten vor dem Sendestart:
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Der Sendestart (18.01.2010, 6 Uhr):
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Bei DRadio Wissen lernt man was. Mit ein wenig Phantasie hätte man darauf schon alleine wegen des Sendernamen kommen können, aber man sollte sich beim Einschalten darüber im Klaren sein. Der Inhalt steht im Mittelpunkt. Und davon gibt es reichlich. Radio als Nebenbei-Medium? Das klappt nicht bei DRadio Wissen. Der hohe Wortanteil wird nur kurz durch Instrumentalstücke unterbrochen, die ich mit meinem Musik-Halbwissen als teils akustisch, teils elektronisch bis unterschwellig experimentell klassifizieren würde – ich glaube, irgendwo gelesen zu haben, dass es sich ausschließlich um spezielle Kompositionen für den Sender handelt, unter anderem von DJ Koze. Du willst die neue Scheibe von XY hören? Dann schalt‘ um!

Hat man aber etwas Zeit und ist auf der Suche nach ansprechend aufbereiteten Wissenshäppchen aus allen möglichen Themengebieten, dann kann DRadio Wissen eine echte Bereicherung sein. Hat man das Grundprinzip erst einmal verstanden, findet man sich im laufenden Programm schnell zurecht. Zwischen 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends ist das Programm in einen Viertelstunden-Takt gegliedert: Alle viertel Stunde laufen Nachrichten („Nachrichtenkreuz“), dazwischen laufen verschiedene Kurzsendungen.

Um Ganz und um Halb gibt’s die Weltnachrichten (um Halb etwas ausführlicher als um Ganz), wobei der Fokus hier tatsächlich auf der Welt liegt. Das Inland findet kaum statt – ein angenehmer Kontrast zum übrigen deutschen Medienangebot, das den Schwerpunkt meist doch auf die Inlandsberichterstattung legt. Um Viertel nach und um Viertel vor gibt’s die Wissensnachrichten mit teils interssanten, teils einfach nur skurrilen Neuigkeiten, meist aus dem Bereich der Forschung.

Die Kurzsendungen zwischen den Nachrichten befassen sich immer mit einem Thema, das in eins von sieben Themenkomplexe passt: Im ersten Stundenviertel („Quadrant“) werden in der Kurzsendung „Agenda“ tagesaktuelle Themen behandelt, in den anderen drei Stundenvierteln wechseln sich die übrigen sechs Themenkomplexe, wie zum Beispiel Kultur oder Medien, ab. Leider stellt man bei längerem Hören fest, dass sich hier die Themen mehrmals am Tag wiederholen.

Nach 18 Uhr laufen dann auch längere Sendungen, zum Teil auch mit „richtiger“ Musik. Besonders interessant und durchaus unterhaltsam: die interaktive „Redaktionskonferenz“ von 18:30 bis 20 Uhr. Das ist eine recht chaotische Zusammenkunft mehrerer Redakteure und Senderverantwortlichen im Studio, die miteinander und mit den Hörern (Blog-Kommentare, Twitter) über das eigene Programm quatschen. Zur Feier des Tages war Comedian und Wissens-Jäger und -Sammler Bernhard Hoëcker zu Gast und diskutierte mit den Machern über umstrittene Themen wie Musik und Nachrichten. Und heute ging’s natürlich auch um den Ausflug in die Astrologie heute morgen, der gleich mal auf entrüstete Empörung in den Kommentaren und bei twitternden und bloggenden Hörern gestoßen war.

Überhaupt ist es bemerkenswert, welch hohen Stellenwert das Internet bei der Wissenswelle einnimmt. Viele Radiosender erheben ja mit ihrer Website den Anspruch, ein crossmediales Angebot zu sein. So konsequent, wie bei DRadio Wissen, habe ich diese Verschmelzung von Hörfunk und Internet aber noch nie umgesetzt gesehen: Ein einziger Blick auf die Website verrät nicht nur, welche Sendung gerade läuft, sondern auch, was Thema ist. Zu allen Themen des Tages stehen – schon vor der Ausstrahlung – kurze, informative Texte bereit, in dem auch auf die Sendezeit hingewiesen wird. Und relativ bald nach ihrer Ausstrahlung stehen Beiträge und Interviews online zum Nachhören bereit. Künftig sollen vorproduzierte Beiträge angeblich sogar schon online gestellt werden, sobald sie fertig sind, auch wenn sie noch gar nicht gesendet wurden. Nicht nur am Prinzip „Online first“ ist zu erkennen, dass der Sender das Internet wirklich ernst nimmt. Auch im Tagesprogramm blickt DRadio Wissen regelmäßig ins Netz und schaut, worüber auf Twitter und in Blogs diskutiert wird.

Übrigens: Von den angekündigten Nachrichten auf Latein habe ich nichts mitbekommen. Ich hoffe, das bleibt so.

  

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  1. Was Bertolt Brecht über DRadio Wissen sagen würde « Felix Elias Hügel

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