pro Mainz: Rechtspopulisten rudern zurück [Update]

Die Bürgerbewegung pro Mainz wehrt sich gegen die Rechtspopulismus-Vorwürfe, die ich vergangene Woche in einem Artikel für das Störungsmelder-Blog auf Zeit Online gegen sie erhoben habe und die in den vergangenen Tagen von den Grünen und von der Grünen Jugend aufgegriffen wurden. In der Allgemeinen Zeitung meldet sich heute der pro-Mainz-Vorsitzenden Dieter Stenner zu Wort und versucht zu beschwichtigen. Doch viele Fragen bleiben unbeantwortet.

  • Stenner muss in der AZ eingestehen, es gebe „Berührungspunkte mit Forderungen, die beispielsweise auch die Republikaner stellten. Das Programm von Pro Mainz trage aber seine Handschrift und sei frei von islam- oder judenfeindlichen Tendenzen.“
    Korrekt ist: pro Mainz bezieht sehr wohl Stellung gegen Überfremdung und gegen Islamisierung. Im Programm klagen die Rechtspopulisten: „Das eigene Land und die eigene Stadt werden den Deutschen fremd. Zustände wie in Berlin-Kreuzberg wollen wir in unserer Stadt aber nicht.“ Sie lehnen „den Bau von repräsentativen Moscheen mit Minarett in Mainz konsequent ab“ und fürchten, dass „islamistische Interessengruppen“ die deutsche Rechtsordnung „durch die Scharia ersetzen“ wollen.
  • Stenner legt in der AZ Wert darauf, pro Mainz hebe sich „deutlich von den anderen ‚pro-Bewegungen‘ ab“.
    Korrekt ist: Es gibt zwischen pro Mainz und den anderen pro-Bewegungen deutliche inhaltliche und rhetorische Parallelen, die in meinem Artikel nicht nur ausführlich dargestellt, sondern auch von einem renomierten Extremismus-Experten bewertet werden. Darüber hinaus nenne ich „die analoge Namensgebung, die personelle Verflechtung mit den Mainzer Republikanern und deren Beziehung zu pro Köln“ als Indizien für einen weiteren Zusammenhang zwischen pro Mainz und dem pro-Netzwerk. Auch in der AZ hat Stenner weder diesen Zusammenhang eindeutig dementiert, noch konnte er erklären, wieso sich die Vereinigung diesen auffälligen Namen gegeben hat.
  • Stenner beteuert in der AZ, die „Information zu dem Domain-Inhaber sei ihm neu, es sei die kostengünstigste Firma beauftragt worden.“
    Korrekt ist: Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Domain-Inhaber und einem Webspace-Anbieter, also der Firma, die den Speicherplatz für eine Website zur Verfügung stellt. Der Domain-Inhaber von buerger-pro-mainz.de und buerger-promainz.de ist der DVU-Internetbeauftragte* Michael Münch aus Frankfurt. Mit der von pro Mainz beauftragten „kostengünstigsten Firma“ kann aber nur der Webspace-Anbieter gemeint sein. Das ist die Firma goneo aus Minden in Nordrhein-Westfalen, die lediglich Webspace vermietet, während die Domain-Inhaberschaft beim Kunden (offenbar Münch) bleibt. Es muss also Kontakt zwischen pro Mainz und dem DVUler Michael Münch gegeben haben. Das eigene Programm wurde hier nicht ernst genommen, da heißt es nämlich: „Radikale und Extremisten dürfen keine Chance haben“.

Update, 21. Juli 2010:

Die Geschichte geht weiter. Nachdem gestern die Allgemeine Zeitung (siehe oben) und heute die Mainzer Rheinzeitung (Artikel nicht online) über die Rechtspopulismus-Vorwürfe gegen pro Mainz berichtet haben, hat die Vereinigung mit einer Pressemitteilung reagiert. Darin unterstellt sie mir Hobby-Journalismus und schlechte Recherche, schafft es aber wieder einmal nicht, mir konkrete Fehler in meinem Artikel nachzuweisen.

Update, 26. Juli 2010:

* Im neuen pro-Mainz-Blog gibt Stenner an, der Domain-Inhaber Michael Münch sei vor über einem halben Jahr aus der DVU ausgetreten. Das kann ich weder bestätigen, noch widerlegen.

  

2 Kommentare

  1. 21. Juli 2010 um 21:58 Uhr #1
    Josef Winkler schrieb:

    Vielen Dank für die ausführliche und notwendige Recherche zu dieser Gruppierung und den Hintergründen.
    Ich denke, daß die Reaktion des „sich dumm
    stellens“ von pro Mainz zwar intellektuell keinen Aufwand für diese Leute bedeutet, gleichwohl sie dies normalerweise besser zu verbergen wissen.

  2. 27. Juli 2010 um 12:45 Uhr #2
    Thorsten schrieb:

    „Das kann ich weder bestätigen, noch widerlegen.“

    Was ein Jammer aber auch. Dass muss dich ja zur Verzweiflung bringen.

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