Thema: Gesellschaft

Fukushima, die Gemeinsamkeiten mit Harrisburg und die Unterschiede zu Tschernobyl

Kernschmelze, GAU, Super-GAU, Tschernobyl, Harrisburg – alle Schlagworte der Atom-Debatte werden bunt durcheinander gewürfelt, seitdem am Samstag einem der sechs Reaktorblöcke des japanischen Atomkraftwerks Fukushima Daiichi das Dach weggeflogen ist. Man muss sich ernsthaft Sorgen darüber machen, was in Fernost geschieht, und es ist höchste Zeit, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und die dümmste Technologie der Menschheit endlich vom Erdball zu verbannen. Aber bitte nicht mit blinder Panikmache, sondern mit Fakten und Argumenten – dazu Links zur Wissensanhäufung: […] »

Randnotiz Pakistan

Pakistan

Foto: U.S. Army (cc)

Ban Ki Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen:
„Diese Katastrophe ist größer als der Tsunami im Indischen Ozean, das Erdbeben in Kaschmir und das Erbeben in Haiti zusammen.“

Themen, die Vielen wichtiger sind:
Google StreetView, ein Promi-AIDS-Prozess, die Schwangerschaft einer SPD-Politikerin, der Start der Bundesliga, …*

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* Liste unvollständig

Ich geb‘ mir die Pille

Ritalin

Foto: Marcel Pauly (cc, größere Versionen)

Schneller, länger und effektiver lernen: Mit illegalem Lerndoping steigern Studenten ihre Leistungsfähigkeit. Und die Universitäten können nur zuschauen. […] »

Das Märchen vom digitalen Exhibitionismus

studiVZ: Privatsphäre-Einstellungen

Screenshot: studiVZ (17.03.2009, 12:00)

Eine Bekannte fragte mich neulich: „Wieso stellst du eigentlich alles, was du tust, ins Internet?“ Sie bezog sich dabei auf meine Status-Mitteilungen bei Facebook, die in meinem Fall nichts anderes sind, als meine Nachrichten bei Twitter, die automatisch an Facebook übermittelt werden. Das wollte ich genauer wissen: Habe ich einen exhibitionistischen Drang, von dem ich nichts weiß? Twitter ich wirklich alles, was ich tue? Und wie sieht es mit meinen Profilen in den sozialen Netzwerken aus, die ich nutze? Gebe ich da Sachen von mir preis, die niemanden etwas angehen?

Ich habe mich also mal durch meine letzten Twitter-Nachrichten, meine Profile und diverse Privatsphäre-Einstellungen geklickt und bin zu dem Schluss gekommen: Eigentlich könnte ich noch viel mehr von mir preisgeben.

[…] »

Neulich im Zug

„Guckt mal: Es sitzen immer abwechselnd Normal, Asiate, Normal, Asiate!“ Es war dieser Satz eines Jungen, den ich neulich im Zug mithörte, der mir sehr deutlich zeigte, wie weit in Deutschland tatsächlich die Integration derer ist, die wir politisch korrekt aber sprachlich bescheuert als Menschen mit Migrationshintergrund bezeichnen. Eine Gruppe von sechs Jugendlichen hatte irgendwo hinter mir Platz genommen, drei von ihnen offensichtlich asiatischer Abstammung. Der zitierte Junge wollte auf die zufällig zustande gekommene Sitzordnung hinweisen – erst einmal nichts verwerfliches. Auch, dass er die asiatische Abstammung/Herkunft auf das Wort „Asiate“ verkürzte, ist nachvollziehbar. Aber die Bezeichnung der anderen Jugendlichen als „Normal“ machte mich dann doch nachdenklich.

Eurozentrismus nennt man das“, erklärte mir ein Freund. „Die Annahme, dass die europäische Kultur, die europäische Ethnie, wie wir sie seit unserer Geburt kennen und gewohnt sind, die Norm ist. Alles Fremde und Exotische, das dem Eurozentristen begegnet, bewertet er nach diesen Maßstäben.“

Wie kann es sein, dass in einer globalisierten Welt solches Gedankengut noch immer in den Köpfen der Leute steckt? Woher kommt diese Hierarchie im Kopf, in der die Europäer einen höheren Rang als andere Ethnien einnehmen? Ich denke, Integrationspolitik sollte auch an diesem Punkt ansetzen.

„Es wäre mir lieber, wären meine Familienangehörigen heute im Gazastreifen, als damals in der Gaskammer gewesen“

Der Hörsaal N2 der Mainzer Uni platzte aus allen Nähten, bis in die letzten Winkel war er voller Menschen. Gestern Abend fand dort eine Podiumsdiskussion zum Thema Antisemitismus im 21. Jahrhundert statt. Das alleine könnte einen solchen Massenauflauf sicherlich/leider nicht erklären, wäre da nicht ein prominenter Gast unter den Teilnehmern gewesen: der Journalist und ehemalige Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland Michel Friedman.

Mit ihm diskutierten der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter (dem politisch interessierten Leser sicherlich aus den Medien bekannt), MdB Michael Hartmann (SPD), der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Rheinland-Pfalz Peter Waldmann und der katholische Priester Klaus Mayer, der sich kurzfristig selbst in die Runde eingeladen hatte.

Mit dem hiesigen Stadionsprecher Klaus Hafner (Mainz 05) war die Rolle des Moderators leider eine klassische Fehlbesetzung. Zwar hatte er das Publikum im Griff, doch eine echte Diskussion kam erst nach etwa einer dreiviertel Stunde in Gang. Bis dahin glich die Veranstaltung eher fünf seperaten Einzelbefragungen, undynamisch, ohne Bezug oder Überleitung zwischen der gegebenen Antwort des Einen und der Frage für den Nächsten – eine für Friedman sichtlich ungewohnte Situation, hatte er doch zunächst niemanden, mit dem er sich streiten konnte. Vielleicht wirkte es auch deshalb zeitweise so, als würde er ersatzweise das Publikum als kollektiven Kontrahenten ansehen, auf das er bei seinen Antworten umso eindringlicher einredete.

Angesichts der traurigen Aktualität des Themas (Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson, Gazakrieg) war es aber auch nur eine Frage der Zeit, bis die Runde schließlich lebhafter wurde: […] »

Das Polittalk-Déjà-vu

Vier Vorzeige-Polittalks im Ersten und Zweiten sind vielleicht doch einfach zu viele. Blicken wir nur einmal auf die vergangene Woche zurück: Nachdem mit der spektakulären und medienwirksamen Verhaftung Klaus Zumwinkels am 14. Februar der Startschuss Deutschlands jüngster Steueraffäre fiel, war klar, welches Thema in der darauffolgenden Polittalk-Woche (im Gegensatz zur normalen Kalenderwoche beginnt die Polittalk-Woche sonntags und endet donnerstags) auf der Tagesordnung steht:

Am Sonntag (17.02.) macht Anne Will den Auftakt mit Die da oben: Wenn Reiche zu gierig werden. Dienstags (19.02) fragt sich Sandra Maischberger Kapitalismus schamlos, Politik machtlos? Und auch am Mittwoch (20.02.) kennt Frank Plasberg in „hart aber fair“nur ein Thema: Die Elite verrät das Volk – Ruiniert die Gier unsere Gesellschaft? Zum krönenden Abschluss springt natürlich auch noch ZDF-Polittalk-Queen Maybrit Illner am Donnerstag (21.02.) auf den Zug mit auf (schließlich hatte man es die Woche zuvor nicht mehr geschafft): Zahlen nur noch die Dummen Steuern?

Sicherlich ist das ein Thema, das diskutiert werden muss. Und sicherlich ist es auch sinnvoll, ein solches Thema von mehreren Seiten anzupacken. Aber die Leute gleich viermal in fünf Tagen zu quälen?! Die Macher dieser Shows könnten zum Einen etwas mehr Kreativität, zum Anderen mehr Mut vertragen. Den Mut, nicht auf jedes große Thema zwanghaft aufzuspringen.

Ich sollte mal zusammen zählen, wie oft ich schon bei Polittalks weiter gezappt habe, nur weil ich mal wieder ein Déjà-vu-Erlebnis hatte …

Chinesisch

Dass es ausgerechnet im wachsenden Wirtschaftsriesen China zu zahllosen Menschenrechtsverletzungen kommt, ist zwar bekannt, wird aber viel zu selten thematisiert. Spreeblick tut es und interviewt Julien Pain von Reporter ohne Grenzen. Konkret geht es um Vorwürfen gegen westliche IT-Unternehmen wie Yahoo und Google.

Ergänzend dazu habe ich mal ein Interview hervor gekramt, das ich im Februar dieses Jahres für radioaktiv geführt habe. Ich sprach mit Katrin Evers von Reporter ohne Grenzen über Menschenrechte und Pressefreiheit in China:

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Noch einmal schlafen

… dann ist es soweit: In Baden-Württemberg tritt endlich das Rauchverbot in Kneipen in Kraft. Oh du schönes Pub-Quiz, du hast mich wieder! In Rheinland-Pfalz dauert’s leider noch ein bisschen: Dort müssen wir Nichtraucher uns das Gequalme noch bis Anfang 2008 gefallen lassen. Aber dann!

Luxus der Nicht-Erreichbarkeit

So eine defekte Türklingel ist schon etwas sehr praktisches: Keine kleinen Kinder, die die Faszination Klingelstreich für sich entdeckt haben. Keine Betrunkenen, die Nachts den Weg nach Hause vergessen haben und bei mir Rat suchen. Und auch kein Postbote, der mich unsanft aus meinem studentengerechten 10-Stunden-Schlaf reißt, um mir ein Päckchen für Familie Mayer von nebenan in die Hand zu drücken. Ich denke, ich warte noch etwas, bis ich die Klingel reparieren lasse.